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Inspiration und Deutungen: Ausstellung "Vom Zeichen zum Licht" ging zu Ende 04.03.2013

Am letzten Tag des Februars ging auch die große Werksaustellung mit Arbeiten des russischen Künstlers Wladimir Naumez zu Ende. Rund 50 Gäste hatten sich im locker bestuhlten Kirchlichen Zentrum eingefunden, um noch einmal die großflächigen, expressionistischen Bilder auf sich wirken zu lassen, die hier seit Mitte November ihre temporäre Heimat gefunden hatten. Die über zwanzig Werke wurden der Stiftung vom Bielefelder Sammler und Freund Eben-Ezers Dr. h.c. Lutz Teutloff übereignet. Entstanden sind sie in der Dekade von 1980 bis 1990 in der Sowjetunion. Naumez gehörte zu einer Gruppe junger Avantgardisten, die ihre Werke verstecken mussten, da sie der autoritäre Sowjetstaat als Provokation verstand. Wladimir Naumez studierte an der Moskauer Höheren Kunstschule für Industrie. Seit 1988 werden seine Werke international ausgestellt, unter anderem in New York, Paris, Bern, Hamburg und London. Ebenfalls seit 1988 lebt der aus Odessa in der Ukraine stammende Künstler mit seiner Frau Irina in Köln.
Dem Theologischen Direktor Pastor Hermann Adam war diese Finissage, der letzte Tag der Ausstellung, eine Herzensangelegenheit. Seine Gedanken und Gefühle zu den Bildern - häufig nahm er sich in den letzten Monaten die Zeit, sie eingehend zu betrachten - stellte er in einem sehr persönlichen Vortrag vor und gab Anleitungen zur Deutung der Kunst, die der Künstler selbst nie kommentiert hat. In dem einen Bild, in Farbton und Struktur dem Turiner Grabtuch ähnelnd, meinte er das Antlitz des leidenden Jesu Christi zu erkennen. Komponiert ist es aus unzähligen kleinen Zahlen und Kreuzen, was man aber nur bei genauem Hinsehen erkennen kann. Das Kreuz ist die Obsession von Wladimir Naumez. Seine abstrakten, expressionistischen Bilder haben durchweg das Kruzifix zum Thema. "Vom Zeichen zum Licht" lautete denn auch der bezeichnende Titel der Ausstellung. Sowohl Pastor Adam als auch der anwesende Spender Dr. Teutloff gingen in ihren Ausführungen darauf ein, wie gut Kunst und Kirche zusammen passen würden. Der Glaube sei ein Quell künstlerischen Schaffens, so Pastor Adam, ob russisch-orthodox oder protestantisch – die Konfession spiele dabei keine Rolle. Also kein Zufall, dass die Bilder wie gemacht für das Kirchliche Zentrum wirkten und man sie eigentlich nicht mehr hier missen möchte.
Über die leicht wehmütige Abschiedsstimmung trösteten die eindrucksvollen musikalischen Beiträge von Stiftungskantorin Anna Ikramova an der Orgel und am Klavier in Begleitung der Saxophonistin Martina Ebert aber schnell hinweg.

28.02.2013 Finissage der Bilder von Wladimir Naumez 11.02.2013

Noch bis Ende des Monats sind im Kirchlichen Zentrum die großformatigen Bilder des Malers Wladimir Naumez zu sehen, die in dieser Umgebung besonders gut zur Geltung kommen.

Virtueller Austellungsrundgang


Wladimir Naumez stammt aus Odessa in der Ukraine und hat sich ausschließlich mit dem Thema Kreuz und Kreuzigung befasst. Seit 1988 lebt er in Köln.
Die Finissage am 28.2. beginnt um 17:00 Uhr mit Impressionen und Deutungen durch Pastor Hermann Adam. Stiftungskantorin Anna Ikramova an der Orgel und die Saxophonistin Martina Ebert gestalten den Abend musikalisch.
Im Anschluss ist ein Imbiss vorbereitet und Gelegenheit zum Gespräch. Unter den Gästen wird auch der Stifter der Bilder, der Kunstsammler Lutz Teutloff sein. Lassen Sie sich inspirieren und genießen Sie Stiftungskultur und - kunst im KIZ.
Aus Planungsgründen melden sich Interessierte bitte bis zum 25.02. unter 05261 215 201 oder info@eben-ezer.de an.


Fachtag in Eben-Ezer: Theorie und Praxis, Impulse für den Weg zur Inklusion 30.01.2013

Das Berufskolleg und der Bereich Kindertageseinrichtungen der Stiftung pflegen eine enge Zusammenarbeit und den Austausch auf theoretischer und praktischer Ebene. Das Ziel: die fundierte, aufeinander abgestimmte Erziehung, Bildung und Förderung von Kindern. Alle Kindertagesstätten der Stiftung betreuen und fördern behinderte und nicht behinderte Kinder. Standortbestimmung und Ziele, praktische Ansätze in den Kitas und das dahinter stehende Konzept der Stiftung waren Inhalt des Fachtages, den die Leitungen des Bereichs Kindertageseinrichtungen Sabine Menzel und der Leiter des Berufskollegs Klaus R. Berger kürzlich in der Stiftung organisierten. Teilgenommen haben Mitarbeiterinnen der 16 Kindertageseinrichtungen der Stiftung, angehende Heilerziehungspfleger und -pflegerinnen sowie Schülerinnen und Schüler, die gleichzeitig mit der Ausbildung zum Erzieher auch das Abitur am Berufskolleg der Stiftung anstreben. Außerdem besuchten Eltern und Vertreter lippischer Jugendämter die Veranstaltung mit Vorträgen, Diskussionen und Workshops.
Der Erziehungswissenschaftler und Lehrer am Berufskolleg Eben-Ezer Kai Züchner hob Zeitpunkte hervor, an denen das Menschenbild und der Umgang mit behinderten Menschen jeweils eine deutliche Wandlung erfuhr. Seit vier Jahren etwa steht der Begriff Inklusion im Zentrum, also die Zugehörigkeit von Menschen mit und ohne Behinderungen in allen Bereichen des Gemeinwesens. Klaus R. Berger und Kai Züchner gingen auf den dafür notwendigen Prozess des Umdenkens in der Gesellschaft ein und die Notwendigkeit, Vorurteile und tendenziell ablehnende Vorbehalte auch bei sich selbst zur Kenntnis zu nehmen. Erst dann könne man mit diesen arbeiten und sie reflektieren.
Hans Joachim Maier, Referatsleiter beim Diakonischen Werk Rheinland/ Westfalen Lippe (DWRWL) ist dort für den Schwerpunkt "Gemeinsame Erziehung" zuständig. Maier sah insgesamt die Entwicklung der Kindertageseinrichtungen in Richtung gemeinsame Erziehung auf einem guten Weg, bemängelte aber die unzureichende finanzielle Ausstattung, warnte die Politik, Inklusion als Tarnkappe für Sparvorhaben zu benutzen und empfahl den Verantwortlichen in der Landespolitik, Gesetzesvorlagen erst nach dem Gespräch und der Beratung mit den Beteiligten und Fachleuten auszuarbeiten. Pauschalfinanzierung sei nicht die Lösung, meinte der engagierte Referent.
Sabine Menzel stellte in ihrem Vortrag das "inklusive" Konzept des Bereichs Kindertageseinrichtungen der Stiftung zur gemeinsamen Erziehung vor. Kernstück ist die Zusammenarbeit und Abstimmung aller, die an der Förderung und Erziehung der Kinder beteiligt sind .Seit einem Jahr gehört zum Bereich Kindertageseinrichtungen in der Trägerschaft Eben-Ezers ein eigener Fachdienst. Dieser setzt sich aus einer Motopädin, einer Kunsttherapeutin, die sich zur Zeit in der Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin befindet, und einer Sozialpädagogin zusammen. Der Fachdienst steht allen Kitas zur Beratung, Diagnostik und Durchführung von Angeboten zur Verfügung. Eine weitere Säule des Konzepts sind die interdisziplinären Fallgespräche, in denen alle Förderangebote aufeinander abgestimmt werden. Im Mittelpunkt steht das Kind. Alle Beteiligten - Eltern, Kita-Mitarbeiterinnen, der Fachdienst sowie externe Therapeuten und Ärzte - arbeiten mit dem Ziel zusammen, das Kind bestmöglich zu fördern. Die Kindertageseinrichtungen greifen dabei auch auf die Förder- und Therapieangebote der Dienste Eben-Ezers zurück. Alle Kitas verstehen sich als niederschwelliges Angebot im Sozialraum, die das Zusammenleben bereichern und gemeinsam mit den Eltern nach Lösungen suchen, wenn es Probleme gibt.
Aus allen Vorträgen ging hervor: Inklusion als gesellschaftliche Entwicklung braucht ebenso wie die Umsetzung im Alltag viel Zeit, Geduld und die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren. Professionalität und eine gute finanzielle Ausstattung sind unverzichtbar, wenn der Weg zur Inklusion langfristig gangbar gestaltet werden soll.
Auf dem Podium diskutierten die Referenten/Referentinnen gemeinsam mit der Kita-Leiterin Monika Fabri aus Bad Salzuflen und Katja Koch, Mutter eines Kita-Kindes, mit Beteiligung aus dem rund 160-köpfigen Publikums. Anhand eines konkreten Beispiels wurden Chancen und Risiken anschaulich. Die Kita Bad Salzuflen besucht auch ein Junge mit frühkindlichem Autismus, der nicht spricht, sondern mit Körpereinsatz Kontakt sucht. Frau Koch bemerkte, dass ihre Tochter ängstlich reagierte, wenn der Junge in Erscheinung trat. Die Mutter sprach die Mitarbeiterinnen in der Kita darauf an und war bereit, den Prozess der Inklusion dieses Jungen mit zu tragen. "Meine Tochter ist daran gewachsen, der Junge ist heute ein Freund meines Kindes", sagt sie. Dieser Prozess ist nicht einfach und noch nicht abgeschlossen. Angelika Fabri leitet die Kita seit 23 Jahren und schilderte die Forderung, verschiedene Positionen und Interessen auszugleichen und zu verbinden: das Bedürfnis der Eltern, ihren Jungen in einer Kita mit anderen Kindern aufwachsen zu lassen, die Interessen der Eltern, die Sorge um ihre Kinder haben, die Beanspruchung der Mitarbeiterinnen, die Berücksichtigung der Aufsichtspflicht und die Gewährleistung, dass alle Kinder unversehrt bleiben
In sieben Workshops am Nachmittag des Fachtages hatten die Teilnehmer Gelegenheit, sich über Konzepte und Techniken auszutauschen und Bewegungsangebote kennenzulernen, die das Zusammenspiel von behinderten und nicht behinderten Kindern fördern.
Diese Fachveranstaltung mit Fortbildungscharakter kam bei den Teilnehmenden sehr gut an. Weitere Fachtage zu verschiedenen pädagogischen Themen sollen folgen.

Zum Ende des Jubiläumsjahres: Eine Hütte als Geschenk 20.12.2012

Aus Anlass des 150-jährigen Jubiläums sponserte die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold eG der Stiftung Eben-Ezer eine Hütte auf dem besinnlichen Museumsadvent, der seit einigen Jahren im Paderborner Dorf des Freilichtmuseums Detmold statt findet. Es war wohl das letzte Geschenk, das die Stiftung im Laufe des ereignisreichen, nun zu Ende gehenden Jubiläumsjahres 2012 erhielt.
An drei Tagen um den zweiten Advent wurden hier Kulinarisches, Handwerkliches und Aktionen rund um Weihnachten in idyllischer Kulisse angeboten. Wegen der ungünstigen Wettervorhersage, die Schnee und Eisregen ankündigte, sagte man in diesem Jahr jedoch den dritten Tag als Vorsichtsmaßnahme ab. Dennoch hat sich die Teilnahme für das Team aus Bewohnern und Mitarbeitern der Stiftung gelohnt, die in ihrer Hütte eine schöne Auswahl an Produkten aus der Werkstatt, der Kunstwerkstatt, der Topehlen-Schule und des Wohnverbundes für Kinder und Jugendliche zum Kauf anboten. An den ersten beiden Tagen schlenderten laut Angaben des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe als Veranstalter rund 15.000 Besucher über das weitläufige Gelände und sorgten für einen zufrieden stellenden Umsatz bei den Händlern.
Foto: Sponsoren und Betreiber vor der Hütte im Paderborner Dorf, von links: Heinrich Hansmeier von der Volksbank mit Tochter Gritt, Chantal Beer, Ingrid Wahlers, Maximilian Dickhut, Michaela Korte, Pascal Mielke und Udo Zippel (alle Eben-Ezer)




So schön war der Eben-Ezer-Weihnachtsmarkt 03.12.2012

Der Große Eben-Ezer-Weihnachtsmarkt öffnet Jahr für Jahr am Samstag vor dem ersten Advent seine Pforten, in diesem Jahr war das der 1. Dezember. Mehrere Tausend Besucher drängten sich zeitweise auf dem Gelände von Neu Eben-Ezer. Das Angebot an den über 60 Ständen und Buden, die teils von Eben-Ezer teils von externen Ausstellern bewirtschaftet wurden, war einmal mehr überwältigend vielfältig. Sterne aller Art, Kränze, Holzschnitzereien, Kerzen, Krippen und viel Dekoratives. Aber auch allerhand für den Gabentisch wie Schmuck, Spielzeug, warme Wintersachen, schöne Accessoires, kunstvolle Süßigkeiten und vieles mehr. Natürlich war für das leibliche Wohl bestens gesorgt: vom Grünkohl über die Bratwurst bis zum Lahmacun war für jeden Geschmack etwas dabei sein und am Nachmittag lockte das große Kuchenbufett im Kirchlichen Zentrum.
Für eine abwechslungsreiche und stimmungsvolle musikalische Untermalung hatte Kantorin Anna Ikramova gesorgt. Mit dabei sind verschiedene Blasensembles, das Akkordeonorchester Leopoldshöhe und das Duo Jazzdecent.
Es gab eine Tombola am Stand der Öffentlichkeitsarbeit. "Jedes Los ein Gewinn" lautete das Versprechen, das auch eingehalten wurde. Nach gut zwei Stunden waren die 1000 Lose ausverkauft und die Regale mit den vielen schönen Sachen leer geräumt. Hinter der Werkstatt, am Alten Rintelner Weg, war wieder die Pfadfinderjurte mit Lagerfeuer zum Popcornbraten aufgebaut. Die Kleinen konnten sich in der betreuten Kreativwerkstatt in der Topehlen-Schule eine Auszeit nehmen und auch die zwei Aufführungen der Märchenbühne im Therapeutischen Zentrum um 14:30 und 16:30 Uhr brachten viele Kinderaugen zum Glänzen. In der Topehlen-Schule war außerdem eine Ausstellung über ein gemeinsames Kunstprojekt der Eben-Ezer-Schule mit der Grundschule Lieme zu sehen. Der Empfehlung, den Lemgoer Stadtbus zu nehmen, sind viele Gäste gefolgt und haben sich so eine stressige Parkplatzsuche erspart, denn rund um das Gelände an der Rintelner Straße bis nach Lüerdissen war zur Hochzeit am Nachmittag kaum noch ein Parkplatz zu finden.
Sehen Sie hier die Bildergalerie der Lippischen Landeszeitung (Fotos N. Reineke)

Helfende Zuwendung im Namen Gottes 30.11.2012

Kronenkreuzverleihung in der Stiftung Eben-Ezer
25 Jahre Zugehörigkeit zur Diakonie, dafür steht das Goldene Kronenkreuz. 30 Mitarbeitende der Stiftung Eben-Ezer konnten es vor kurzem von Landespfarrerin Renate Niehaus sowie dem Vorstand der Stiftung Pastor Hermann Adam und Udo Zippel entgegen nehmen. Die hohe Zahl kommentierte die Landespfarrerin beeindruckt: "So viele ausgezeichnete Mitarbeiter an einem Tag, das erlebt man selten." Pastor Hermann Adam hielt eine kurze Ansprache, in der er deutlich machte, wofür die kleine Anstecknadel vergeben wurde: "Ihr langjähriger Einsatz ist ein wertvolles Geschenk für diejenigen, die im Namen Gottes helfende Zuwendung erfahren haben."
Im feierlichen Rahmen waren die Jubilare, viele in Begleitung von Angehörigen und der nächsten Vorgesetzten, im Kirchlichen Zentrum von Neu Eben-Ezer zusammen gekommen, um diesen besonderen Lebensabschnitt zu feiern. Ilse-Lore Thamm und Reinhard Skiba, die schon seit vierzig Jahren ehrenamtlich und beruflich in diakonischen Diensten tätig sind, erhielten eine vom obersten Diakoniechef Johannes Stockmeier unterzeichnete Ehrenurkunde. "Ich habe das vorhin mal überschlagen, das sind rund 15.000 Tage", bemerkte Reinhard Skiba, der sich auf seinen Anfang nächsten Jahres beginnenden Ruhestand freuen kann. Renate Niehaus hielt eine kurze Andacht und dankte den Geehrten für ihr jahrzehntelanges Eintreten für die gute Sache: "Sie sind alle Engel, die für die gute Sache eintreten. Das sollten Sie für sich in Anspruch nehmen!"
Folgende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden geehrt:
Dirk Belke, Karin Brosewski, Edith Damerau, Katrin Decher, Annette Haferung, Karsten Haferung, Anja Hollstein, Annegret Jungeblut, Anke Kaschubowski, Kurt Kawohl, Rüdiger Kentsch, Silke Knöner, Reinhard Kuhlemann, Veronika Lempa, Irmtraud Müller, Susanne Müller, Cäcilia Ober, Volker Preuß, Andreas Reese, Christiane Reuter-Schewe, Petra Schmidt, Kerstin Sieker, Reinhard Skiba, Lena Slabon, Bettina Strate, Michael Sterna, Ilse-Lore Thamm, Marion Thiel, Heike Woywood, Reinhard Ziel, Manuela Zoschke.


Eben-Ezer stellt Festschrift zum Jubiläum vor 22.11.2012

Rund drei Pfund ist sie schwer, in attraktivem Grün – der Logo-Farbe Eben-Ezers – erscheint die frisch aus der Druckerpresse gelieferte Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum der diakonischen Stiftung Eben-Ezer. "Für ein Leben in Vielfalt" so lautet der Titel und der Untersatz "Historische Einblicke und Einsichten in 150 Jahre Stiftung Eben-Ezer (1862-2012)" macht deutlich, um welch großen, geschichtsträchtigen Zeitraum es sich handelt. Die Gründung des Kaiserreichs, zwei Weltkriege, die große Inflation der 1920er Jahre und das NS-Regime sind nur einige der Herausforderungen, mit denen die Verantwortlichen konfrontiert waren.
Im Fokus der Festschrift stehen die zeitspezifische Wahrnehmung und Pflege von geistig und seelisch behinderten Menschen. Die Festschrift fußt auf gründlichem Quellenstudium und räumt mit mancher Legende auf. Sie beleuchtet nicht nur die Geschichte der Stiftung, sondern auch die soziale Frage in Lippe, die mit den politischen Vorgängen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland eng zusammenhängt. Den größten Teil der Arbeit, dieses 399 Seiten umfassende Werk zu erstellen, leistete der Bielefelder Historiker und Archivar der Stiftung Dr. Frank Konersmann. Neben ihm sind sieben weitere Autoren/innen, darunter aktive und ehemalige Mitarbeiter sowie Gastautoren wie der Leiter des Lemgoer Museums Jürgen Scheffler mit Beiträgen vertreten.
Der Vorstand der Stiftung hatte 2008 beschlossen, das Jubiläumsjahr zum Anlass zu nehmen, die geschichtlichen Zusammenhänge, in denen die Arbeit Eben-Ezers für behinderte Menschen ihre Anfänge genommen und durch die Zeiten hindurch ihre heutige Gestalt gefunden hat, zu erschließen und Dr. Konersmann mit dieser Aufgabe zu betrauen. Mit der Festschrift, die gleichsam als Chronik verstanden werden kann, ist ihm dieser Brückenschlag eindrücklich gelungen.
"Wir sind dankbar für diese profunde wissenschaftliche Arbeit. Es hat uns überzeugt, wie Dr. Konersmann unser Anliegen aufnehmen und umsetzen konnte, die 150-jährige Geschichte Eben-Ezers in gründlicher Weise in den Kontext der Zeitgeschichte, der Sozialgeschichte, der Kirchen- und Glaubensgeschichte und der Diakoniegeschichte einzuordnen", so Pastor Hermann Adam, Theologischer Direktor.
"Die Festschrift bietet die Grundlage für weiter führende Diskussionen. Sie weist auft offene Fragen hin und lädt dazu ein, an dem einen oder anderen Punkt tiefer zu bohren", gab der Kaufmännische Vorstand Udo Zippel im Rahmen eines Pressegesprächs zu bedenken. Zum Beispiel sei der Aspekt "Hunger in Zeiten des Zweiten Weltkrieges", und was dieser Lebensumstand für so genannte "Unheilbare" bedeutete, auch für Eben-Ezer noch nicht abschließend erforscht.
Mit spannenden Beispielen gelingt es mit diesem Werk, den großen historischen Bogen von der Anfangszeit bis heute zu spannen. Dabei zeigte sich, dass die beiden Strömungen, von denen einer der Stiftungsgründer Simon August Topehlen geprägt war, nämlich die Erweckungsbewegung und der pädagogische Philanthropismus, gerade in dieser Kombination als Katalysatoren für ein soziales Denken und Handeln dienten. Diese machten die Entwicklung der Stiftung erst möglich.
Dr. Konersmann, der zu Beginn der über vier Jahre dauernden Forschungsarbeiten nur auf eine sehr dünne Quellenlage bauen konnte, machte sich mit wissenschaftlichem Eifer an die Sisyphosarbeit der Aktensichtung und Aktenerschließung. Das Archiv der Stiftung Eben-Ezer, das Stadtarchiv von Lemgo und das Staatsarchiv Detmold gaben nach und nach ein Puzzleteil nach dem anderem frei, bis sich ganz allmählich ein stabiles Gerüst an Daten heraus bildete, auf das er bauen konnte. "Die Niederschrift begann erst Anfang 2012, dann aber unter Volldampf. Das Käuzchen war zuletzt mein einziger Begleiter durch die Nacht", so Dr. Konersmann schmunzelnd. Wichtig ist ihm der Hinweis auf die ergebnisoffene Herangehensweise :"In der Festschrift geht es auch um die Vermittlung eines historischen Blickes, d.h. die Leser sollen möglichst ein Gefühl für die Bedingtheit und die Zusammenhänge der Vorgänge entwickeln, die einen Abstand zu eindeutiger Kategorisierung und Bewertungen herstellen. Dennoch ist natürlich nicht alles relativ, sondern es werden auch Fakten angeführt, die eine Beurteilung erlauben. Aber wir liefern keine in Stein gemeißelten Wahrheiten, andere Sichtweisen sind möglich und erwünscht." Außerdem weist er auf die außerordentlich hohe Qualität des Bildmaterials hin, die sich erst nach einer professionellen Bearbeitung einstellte. Einige der ausdrucksstark inszenierten Bilder wurden so noch nie veröffentlicht. Nach Ansicht Pastor Adams gehört die Festschrift in das Bücherregal jedes an Geschichte interessierten Lippers, sie dient aber auch als Arbeits- und Diskussionsgrundlage für Mitarbeiter, Interessierte und Partner. Und Pastor Adam fügt hinzu: "Wir halten hier ein Standardwerk in den Händen, das nicht nur für Lemgo und Lippe Relevanz hat, sondern im Bestand aller einschlägigen Fachbibliotheken gelistet werden wird".
Die Festschrift "Für ein Leben in Vielfalt" ist im Verlag für Regionalgeschichte erschienen und findet sich im Verzeichnis der hiesigen Bibliotheken und Archive. Die Festschrift kostet 24,00 Euro und ist im Buchhandel sowie in der Öffentlichkeitsarbeit und an der Pforte der Stiftung in Neu Eben-Ezer erhältlich. Am 1. Dezember beim Weihnachtsmarkt steht Dr. Frank Konersmann selbst am Büchertisch und beantwortet gern Fragen zur Geschichte.


Weiteres Verfahren zum Standort Ostschule 20.11.2012

Der Rat der Alten Hansestadt Lemgo hat am 10.10.2011 den einstimmigen Beschluss gefasst, das Budget für das Produkt Schulen schrittweise bis 2015 durch Aufgabe von Schulstandorten um 340 T Euro zu reduzieren. Für den Schulstandort Ostschule der Schulen am Schloss wurde dabei eine Bestandsgarantie bis 2014 beschlossen.
Der Schulausschuss hat am 25.10.2012 neben dem Beschluss zur Aufnahme von Verhandlungen mit der Stiftung Eben-Ezer die Verwaltung beauftragt, die Schulentwicklungsplanung anlassbezogen fortzuschreiben und das Planungsbüro zu bitten, die Absicht der Stiftung Eben-Ezer zur Gründung einer Grundschule mit inklusivem Unterrichtsangebot alternativ für den Standort Neu Eben-Ezer und den Standort Ostschule zu berücksichtigen.
Nach Vorlage der Ergebnisse ist nach Diskussion in Schulausschuss und Hauptausschuss möglichst zeitnah zu entscheiden, ob der städtische Schulstandort Ostschule weitergeführt oder aufgegeben wird.
Für den Fall der Aufgabe ist von der Stiftung Eben-Ezer zu entscheiden, ob sie den Standort für die Weiterentwicklung ihres Schulangebots durch Gründung einer Grundschule mit inklusivem Unterricht übernehmen wird oder dies, wie ursprünglich geplant, am Standort Neu Eben-Ezer realisieren wird.

Sozialpolitisches Forum "Soziale Balance als Voraussetzung für eine inklusive Gesellschaft" 16.11.2012

Am 13. November fand um 16:00 Uhr die Veranstaltung "Soziale Balance als Voraussetzung für eine inklusive Gesellschaft" mit den Referenten Dr. Frank-Walter Steinmeier und Walter Wüllenweber im Kirchlichen Zentrum der Stiftung Eben-Ezer statt. Die Veranstaltung war – kurz vor dem großen Weihnachtsmarkt am 1. Dezember – das letzte große Ereignis des mit großen Ereignissen prall gefüllten Jubiläumsjahres.
Dr. Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und Freund der Stiftung Eben-Ezer, hat vor zehn Jahren die Agenda 2010 mit auf den Weg gebracht. Ein Aspekt in seinem Vortrag waren die Herausforderungen an die Gesellschaft, die sich unter dem Druck der Finanzkrise noch verstärkt haben.
Der renommierte und mehrfach ausgezeichnete Journalist Wüllenweber beschäftigt sich vorwiegend mit gesellschaftspolitischen Themen vor allem von Randgruppen und analysiert, was den gesellschaftlichen Kitt stärkt oder zersetzt. Vor kurzem erschien von ihm das Buch "Die Asozialen", in dem er die provozierende These aufstellt, dass Ober- und Unterschicht als zwei Schichten zu identifizieren seien, die sich zunehmend in verschiedenen Aspekten angleichen und sich gleichzeitig von der bürgerlichen Mitte entfernen. .
Im voll besetzten Kirchlichen Zentrum, rund 300 Personen hatten sich angemeldet, darunter viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kirche, begrüßte der Theologische Direktor Pastor Hermann Adam die Referenten und Gäste. Auf dem Podium hatten außer Frank-Walter Steinmeier und Walter Wüllenweber auch Udo Zippel, Kaufmännischer Direktor der Stiftung Eben-Ezer, Professor Dr. Dierk Starnitzke, Vorstandssprecher vom Wittekindshof, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Jubiläum feiert, und die Moderatorin Christine Förster Platz genommen.
Der Stern-Journalist Walter Wüllenweber war beeindruckt ob der Größe seines Publikums, wie er bemerkte. Auch sei es das erste Mal, dass er einen Vortrag von einer Kanzel hielte, dies sei schon eine etwas aufregende Erfahrung. Er fand aber schnell den Einstieg in sein außerordentlich spannendes, manchmal provokantes Referat: Schon immer habe er über die unteren Schichten berichtet, seit der Finanzkrise aber den Suchscheinwerfer um 180 Grad gedreht und auch die Oberen Zehntausend ins Visier genommen und dabei erstaunt fest gestellt: "Hier läuft es ja fast genauso wie in Essen-Katernberg!" Beide Schichten – die obere und die untere – hätten sich in ihren jeweiligen Parallelwelten abgeschottet und mieden den Kontakt zur Mittelschicht. Beide Schichten lebten von leistungsunabhängigen Einkommen, die Unterschicht von Transferleistungen des Staates, die Oberschicht von den eigenen Kapitalerträgen – zum Teil schon seit Generationen. Wüllenweber, der seinen Zivildienst in einer Einrichtung der Behindertenarbeit absolviert hat, konstatierte: "Ein wesentliches Merkmal der Unterschicht ist die Überforderung. Die Überforderung, an wesentlichen Bereichen der Gesellschaft teilzunehmen. Der deutsche Sozialstaat hat zwar die materielle Not beseitigt, aber bei der Teilhabe hapert es noch."
Wie Walter Wüllenweber sieht auch Dr. Frank.-Walter Steinmeier ein Auseinanderdriften der Gesellschaft. Dies dringe sogar bis in die Keimzelle, die Familie vor. "In den Familien gibt es keine Rituale, keine gemeinsamen Plätze mehr. Sogar vor dem Fernseher versammelt man sich nicht mehr, weil jeder seinen eigenen Bildschirm vor sich hat." Für ihn ist Bildung das Mittel der Wahl, mit dem eine Gesellschaft zusammen gehalten werden kann, mit dem die Schere zwischen arm und reich geschlossen werden kann. Bildung, die schon in der Kita beginnen sollte, denn "Altersarmut ist die Folge von Erwerbsarmut ist die Folge von Bildungsarmut", so Steinmeiers Formel. Er plädiert daher dafür, Mehrausgaben in den Ausbau des Bildungssystems zu stecken. Doch woher bei gebotenem Spardiktat die Mittel nehmen? "Der Spitzensteuersatz sollte nicht tabu sein", so Steinmeier. Dem geborenen Brakelsieker kam viel Sympathie entgegen und oftmals wurde er durch spontanen Applaus unterbrochen, so auch bei seiner sehr deutlichen Haltung zum Betreuungsgeld, das in seinen Augen zynisch und verantwortungslos sei und sofort wieder abgeschafft würde, wenn seine Partei die Regierungsverantwortung bekäme.
Grundsätzlich ist der SPD-Fraktionsvorsitzende der Überzeugung, dass, "wenn wir das Thema Soziale Balance nicht ernst nehmen, wird das Gefühl für das gemeinsame Ganze – einem Grundpfeiler der Demokratie - verloren gehen."
Im Anschluss an die Vorträge entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zwischen Podium und Plenum. Udo Zippel brachte das Thema Inklusion und frühkindliche Förderung zur Sprache: Kinder und auch die Eltern sollten in inklusiven Familienzentren einen verlässlichen Partner finden, der den Kindern schon im U3-Bereich eine maßgeschneiderte Förderung ermöglicht und für die Eltern ein Berater bei allen familiären Problemen ist, so wie es die integrativen Familienzentren der Stiftung schon seit längerem anbieten. Walter Kern als Vertreter des Kinderschutzbundes hielt dagegen, dass Kinder bis zum Alter von zwei Jahren die Möglichkeit haben sollten, von Vater oder Mutter zu Hause betreut zu werden. Schlussendlich war man sich in dem Punkt einig, dass eine inklusive Erziehung in Kitas und Schulen, die sich über alle religiösen, gesellschaftlichen, sprachlichen und gesundheitlichen Barrieren hinweg setzt, die beste Voraussetzung für eine umfassende Teilhabe des Einzelnen an der Gesellschaft ist.


Wladimir Naumez - Vom Zeichen zum Licht 13.11.2012

14.11.2012 - 28.02.2013
Ausstellungseröffnung am 13.11.2012 um 16.00 Uhr im Rahmen des sozialpolitischen Forums der Stiftung Eben-Ezer mit Dr. Frank-Walter Steinmeier.
Kirchliches Zentrum Neu Eben-Ezer Alter Rintelner Weg 32657 Lemgo.
Stiftung Eben-Ezer in Zusammenarbeit mit dem Sammler Dr.h.c. Lutz Teutloff.
Telefonische Anmeldung erforderlich unter 05261 - 215201 oder info@eben-ezer.de

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