Eine große Komposition war es, die Elazar Benyoëtz am 15. März seinem Publikum, das gebannt seiner ruhigen, wohlklingenden Stimme lauschte, vortrug. Eine Komposition aus zahlreichen Werken des herausragenden Dichters, die er exklusiv für seine einmalige Lesung in Lemgo zusammen getragen hatte. Elazar Benyoëtz war in Begleitung seiner Frau Metavel auf Einladung der Stiftung Eben-Ezer nach Lemgo gekommen. Mit Eben-Ezer ist der Autor schon sehr lange verbunden, insbesondere mit dem Theologischen Direktor Pastor Hermann Adam ist er gut befreundet.In der Lesung ließ Benyoëtz immer wieder auch Stationen seines Lebens Revue passieren. Er wurde 1937 unter dem Namen Paul Koppel als Sohn österreichischer Juden in der Wiener Neustadt geboren und "erreichte mit zwei Jahren das altneue Land", so Benyoëtz. Seit 1939 lebt er in Jerusalem. Schon im Alter von 12 Jahren wusste er, dass er hebräischer Dichter werden will und veröffentlichte insgesamt sieben Bücher auf Hebräisch. Aber es kam anders: "Meine hebräische Poesie ist die Geschichte meiner Jugend, obwohl sie viel mehr enthält als nur Jugendgedichte". 1969 erschien in Berlin sein erstes Buch auf Deutsch, 1970 das zweite in Heidelberg und es folgten viele weitere. Heute gilt Elazar Benyoëtz mit seinen knappen, gestochen scharfen Aphorismen als Erneuerer der aphoristischen Gattung in Deutschland. Dazu seine Interpretation: "Verstehen ist ein langsamer Prozess. Was wir heute verstehen, wird erst übermorgen aufgegangen sein. Das ist die Idee des Aphorismus. Man kann mit ihm nichts anfangen, aber er geht uns nach und manchmal weit voraus." Oder: "Das Billige ist nur billig zu haben und wird immer zu teuer erkauft." Einfache Sätze mit großer Wirkung, wie man an den beeindruckten, andächtigen Gesichtern der Gäste ablesen konnte. Rund achtzig Stühle hatte man in der Kunstwerkstatt im Haus der Vielfalt aufgestellt – alle waren besetzt. Stimmig umrahmt und pointiert unterbrochen wurde die Lesung von den Musikerinnen Sina Meyn (Klarinette) und Anna Ikramova (Klavier), die Werke unter anderem von Sergej Rachmaninow und Witold Lutoslawski eindrucksvoll interpretierten.
Im Anschluss an die Lesung bestand die Möglichkeit, sich im Café Vielfalt bei israelischen Spezialitäten wie Bulgur, Hummus und Falafel ausgiebig mit dem Dichter zu unterhalten. Der hier aufgestellte Büchertisch war gut gefüllt und wurde kräftig geplündert. Auch Miniaturen von Metavel Benyoëtz, biblische Motive kaum größer als eine Briefmarke, waren hier ausgestellt und fanden ihre Liebhaber. Elazar Benyoëtz hat an diesem Abend viele neue Freunde gefunden und die alten Freunde, die unter den Gästen waren, glücklich gemacht. "Wir sind dankbar, dass es dich gibt", so Pastor Hermann Adam, ein bekennender Benyoëtz-Verehrer. Pastor Adam freute sich auch besonders, Hermann Gärtner begrüßen zu können. Der Geschäftsführer von Porta Möbel unterstützt die Stiftung seit Jahren regelmäßig mit Geldern aus der Andreas Gärtner-Stiftung. Diese Mittel sind ein ganz wesentlicher Beitrag für die Arbeit der Kunstwerkstatt, deren Räumlichkeiten im Haus der Vielfalt der Veranstaltung eine wunderbare Atmosphäre verliehen haben.









