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Pressemitteilungen




Das Leben wächst mit seinen Schatten – aber nur bei Licht besehen 19.03.2012

Lesung mit Elazar Benyoëtz im Haus der Vielfalt

Eine große Komposition war es, die Elazar Benyoëtz am 15. März seinem Publikum, das gebannt seiner ruhigen, wohlklingenden Stimme lauschte, vortrug. Eine Komposition aus zahlreichen Werken des herausragenden Dichters, die er exklusiv für seine einmalige Lesung in Lemgo zusammen getragen hatte. Elazar Benyoëtz war in Begleitung seiner Frau Metavel auf Einladung der Stiftung Eben-Ezer nach Lemgo gekommen. Mit Eben-Ezer ist der Autor schon sehr lange verbunden, insbesondere mit dem Theologischen Direktor Pastor Hermann Adam ist er gut befreundet.
In der Lesung ließ Benyoëtz immer wieder auch Stationen seines Lebens Revue passieren. Er wurde 1937 unter dem Namen Paul Koppel als Sohn österreichischer Juden in der Wiener Neustadt geboren und "erreichte mit zwei Jahren das altneue Land", so Benyoëtz. Seit 1939 lebt er in Jerusalem. Schon im Alter von 12 Jahren wusste er, dass er hebräischer Dichter werden will und veröffentlichte insgesamt sieben Bücher auf Hebräisch. Aber es kam anders: "Meine hebräische Poesie ist die Geschichte meiner Jugend, obwohl sie viel mehr enthält als nur Jugendgedichte". 1969 erschien in Berlin sein erstes Buch auf Deutsch, 1970 das zweite in Heidelberg und es folgten viele weitere. Heute gilt Elazar Benyoëtz mit seinen knappen, gestochen scharfen Aphorismen als Erneuerer der aphoristischen Gattung in Deutschland. Dazu seine Interpretation: "Verstehen ist ein langsamer Prozess. Was wir heute verstehen, wird erst übermorgen aufgegangen sein. Das ist die Idee des Aphorismus. Man kann mit ihm nichts anfangen, aber er geht uns nach und manchmal weit voraus." Oder: "Das Billige ist nur billig zu haben und wird immer zu teuer erkauft." Einfache Sätze mit großer Wirkung, wie man an den beeindruckten, andächtigen Gesichtern der Gäste ablesen konnte. Rund achtzig Stühle hatte man in der Kunstwerkstatt im Haus der Vielfalt aufgestellt – alle waren besetzt. Stimmig umrahmt und pointiert unterbrochen wurde die Lesung von den Musikerinnen Sina Meyn (Klarinette) und Anna Ikramova (Klavier), die Werke unter anderem von Sergej Rachmaninow und Witold Lutoslawski eindrucksvoll interpretierten.
Im Anschluss an die Lesung bestand die Möglichkeit, sich im Café Vielfalt bei israelischen Spezialitäten wie Bulgur, Hummus und Falafel ausgiebig mit dem Dichter zu unterhalten. Der hier aufgestellte Büchertisch war gut gefüllt und wurde kräftig geplündert. Auch Miniaturen von Metavel Benyoëtz, biblische Motive kaum größer als eine Briefmarke, waren hier ausgestellt und fanden ihre Liebhaber. Elazar Benyoëtz hat an diesem Abend viele neue Freunde gefunden und die alten Freunde, die unter den Gästen waren, glücklich gemacht. "Wir sind dankbar, dass es dich gibt", so Pastor Hermann Adam, ein bekennender Benyoëtz-Verehrer. Pastor Adam freute sich auch besonders, Hermann Gärtner begrüßen zu können. Der Geschäftsführer von Porta Möbel unterstützt die Stiftung seit Jahren regelmäßig mit Geldern aus der Andreas Gärtner-Stiftung. Diese Mittel sind ein ganz wesentlicher Beitrag für die Arbeit der Kunstwerkstatt, deren Räumlichkeiten im Haus der Vielfalt der Veranstaltung eine wunderbare Atmosphäre verliehen haben.


Sonderpädagogischer Förderbedarf bei Kindern Ja oder Nein? Welche Chancen ein Antrag bei der Schulaufsichtsbehörde hat 05.03.2012

Die Ausbildungsordnung Sonderpädagogische Förderung (AOSF) war ein heiß diskutiertes Thema bei der Informationsveranstaltung, die die Leiterin der Bereichs Kindertageseinrichtungen Sabine Menzel kurzfristig am 27. Februar organisiert hatte. Rund fünfzig Eltern, Lehrer, Erzieherinnen und Therapeuten hatten sich in der Aula der Topehlen-Schule in Neu Eben-Ezer versammelt, um über diesen sperrig klingenden Begriff zu diskutieren, der viel Zündstoff in sich hat. Als kundiger Referent hatte der Schulrat und Sonderpädagoge Heinrich Kessen aus Detmold zugesagt, der in seinem Amt für alle Förderschulen im Kreis Lippe sowie für sonderpädagogische Förderung an Förderschulen und im gemeinsamen Unterricht zuständig ist. In dieser Position entscheidet er auch darüber, ob ein Kind sonderpädagogische Förderung erhält oder nicht. Das ist in NRW der Fall, wenn das Kind in der allgemeinen Schule in seiner persönlichen Entwicklung und seinen Leistungen nicht hinreichend gefördert werden kann. Die Gründe dafür können verschiedenster Natur sein: geistige sowie körperliche Behinderungen, Autismus, Hör- und Sehstörungen sowie Lern- und Entwicklungsstörungen können der Anlass sein, ein so genanntes AOSF-Verfahren einzuleiten. Nun geht bei Eltern und Erzieherinnen seit geraumer Zeit die Sorge um, dass im Zuge der UN-Behindertenrechtskonvention, die die vollständige Inklusion von Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen des Gemeinwesens fordert, die Möglichkeit der Eröffnung eines AOSF-Verfahren komplett abgeschafft worden sei. Kinder, die Entwicklungsstörungen aufweisen oder von Behinderung bedroht sind, müssen also weiterhin in Regelschulen ohne weitere Fördermaßnahmen unterrichtet werden und erleiden so im schlimmsten Fall schwere seelische Schäden. "Nichts ist frustrierender, als dauerhaft überfordert zu sein", so Sabine Menzel, die eindeutig die Position vertritt, dass Kinder maßgeschneidert unterstützt werden müssen, wenn sie einen Förderbedarf haben – und das geht nun einmal nicht immer in Regelschulen. Kessen konnte diese Sorge aber schnell entkräften: "Jeder Einzelfall wird sorgfältig geprüft und natürlich werden, wenn das Ergebnis dafür spricht, AOSF-Verfahren weiterhin eröffnet und genehmigt. Wichtig ist allerdings, dass aussagekräftige und vollständige Berichte bei der Schulaufsichtsbehörde eingereicht werden. Darauf sollten Eltern und Erzieher unbedingt achten, wenn sie einen Antrag auf Einleitung eines Verfahrens stellen."


Integratives Musical "Samuel" – noch Akteure gesucht 13.02.2012

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der Stiftung Eben-Ezer beginnen unter kurzem die Proben zu dem integrativen Musical "Samuel, ein Junge wird Prophet", das im Mai mehrfach zur Aufführung kommen wird. Die projekterfahrene Musikerin Anna Ikramova, Musikpädagogin und Kantorin der Stiftung Eben-Ezer, wird die Proben leiten. Das Musical ist eine Gemeinschaftsarbeit von Bewohnern und Mitarbeitern der Stiftung Eben-Ezer, Schülerinnen und Schülern der Heinrich-Drake-Hauptschule Lemgo und Kindern sowie Mitarbeitern verschiedener Kindertageseinrichtungen in der Trägerschaft der Stiftung Eben-Ezer.
Gesucht werden noch Mitsänger und Mitsängerinnen jeder Altersstufe, die Spaß am Singen und Lust darauf haben, einmal auf der Bühne zu stehen. Besonders gebraucht werden - laut Anna Ikramova - eher kräftige Stimmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob schon Erfahrungen mitgebracht werden oder nicht. In insgesamt acht Proben inklusive einem Probenwochenende und plus einer Generalprobe wird das Repertoire erarbeitet: zwölf peppig-arrangierte Songs von Rock und Gospel über Balladen bis hin zum fröhlichen Reggae stehen auf dem Programm. Kurze Spielszenen zwischen den Songs lockern das Ganze auf. Zur Aufführung kommt das Musical am 19. Mai im Kurtheater Bad Salzuflen und am 20. Mai in der Aula der Karla-Raveh-Gesamtschule in Lemgo, jeweils um 19 Uhr. Wer gerne mitmachen möchte, melde sich bei Anna Ikramova, E-Mail: anna.ikramova@eben-ezer.de, Tel. 05261-215287 oder komme einfach vorbei. Das erste Treffen findet am 24. Februar 15:30 Uhr im Kirchlichen Zentrum der Stiftung Eben-Ezer, Alter Rintelner Weg in Lemgo statt.
Das Musical "Samuel, ein Junge wird Prophet" erzählt die außergewöhnliche Geschichte eines kleinen Jungen, der mit Gottes Hilfe zu einem großen Richter und Propheten wird. Ein Junge, der bereit ist, auf Gottes Stimme zu hören und seinem Volk treu zu dienen. Die Stiftung Eben-Ezer leitet ihren Namen aus dem ersten Buch Samuel ab, in dem steht: "Da nahm Samuel einen Stein und setzte ihn zwischen Mizpa und Schen und hieß ihn Eben-Ezer und sprach: Bis hierher hat uns der Herr geholfen".


150 Jahre Eben-Ezer: Vortrag über Diakonie in Lippe 23.01.2012

Den Auftakt des Veranstaltungsreigens zum Jubiläumsjahr der Stiftung Eben-Ezer bildete am 19. Januar der Vortrag "Lokale und regionale Bedingungen von Diakonie. Historische Schlaglichter auf das städtische und ländliche Umfeld der Stiftung Eben-Ezer" von dem Detmolder Historiker Axel Wilke. Der Vortrag ist Teil einer Reihe von insgesamt vier Vorträgen zu ausgewählten Themen aus der Geschichte der Stiftung. Eben-Ezer will damit zum Gedanken- und Meinungsaustausch über Ereignisse, Vorgänge und Entwicklungen der Stiftung in ihrer 150-jährigen Geschichte einladen.
Im voll besetzten Seminarraum des Kirchlichen Zentrums referierte der junge Historiker und Theologe über sein ausführliches Quellenstudium, in dessen Verlauf sich herausstellte, dass es kaum valides Material darüber gibt, wie Menschen oder Institutionen vor rund 150 Jahren mit behinderten Menschen umgegangen sind. Ans Licht kamen allerdings einige skurrile Verhaltensweisen, die zum Teil auf Aberglauben, zum Teil auf Unwissen begründet waren. So sollten sich zum Beispiel schwangere Frauen vor dem Anblick eines Behinderten hüten, da sonst eine Fehlgeburt oder die Missbildung des ungeborenen Kindes drohten.
Auch die beiden Lager der pietistischen Erweckungsbewegung und des liberalen Bürgertums in Lippe nahm Wilke sehr sachlich und differenziert unter die Lupe. So wären die konservativen Pietisten, die ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Lippe den Ton angaben, eher nicht bereit gewesen, auf Spendenaufrufe zu reagieren. Die Obrigkeit sollte alles regeln, Eigeninitiative war nicht angesehen. Ein progressiver Pfarrer aus Detmold kam daher auf die Idee, den Spendenaufruf für eine notleidende Familie mit mehreren behinderten Kindern im liberalen Bremen und später auch in Osnabrück zu starten – mit gutem Erfolg.
"Blödsinnige", wie geistig behinderte Menschen damals genannt wurden, hatten keine Lobby. Sie wurden in Familien versteckt und als billige Arbeitskraft (aus-)genutzt. Behindertenarbeit geschah im privaten Rahmen. Die öffentliche Mehrheit sah daher Topehlens Initiative der Gründung einer Anstalt für "Blödsinnige" mit Skepsis. Es gab doch bereits die so genannte Irrenanstalt der Fürstin Pauline in Brake, warum dann noch so eine Einrichtung? Zwischen geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung wurden – sogar von Medizinern – keine großen Unterschiede gemacht. Die Gründung geschah denn auch ohne offizielle Unterstützung des Magistrats im Frühjahr 1871, als das Statut für die Gründung der Anstalt von der Regierung genehmigt wurde. Inoffiziell, aber weitaus tiefer im Bewusstsein der nachfolgenden Generationen verankert, ist aber 1862 das eigentliche Gründungsjahr. Das Jahr der Aufnahme des geistig behinderten Mädchens Henriette Ludolph in den Haushalt von Simon August Topehlen und seiner Schwester Lina.
Insgesamt betrachtet lieferte Axel Wilke mit seinem Vortrag eine kritische Einordnung der Bedeutung von Erweckungsbewegungen für die Gründung von Einrichtungen der Wohlfahrt nicht nur in Lippe. Nicht nur die Pietisten, auch philantropische Initiativen wie beispielsweise die der Fürstin Pauline aber auch anderer liberaler Privatpersonen waren auf diesem Gebiet aktiv, was in der anschließenden sehr lebhaft geführten Diskussion nochmals deutlich zur Sprache kam. Damit erfüllte der Abend genau den beabsichtigten Zweck, auf unterschiedliche Sehweisen auf die Geschichte von Diakonie und insbesondere Eben-Ezer aufmerksam zu machen und die jeweiligen Gründe hierfür kennenzulernen.



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Stiftung Eben-Ezer, Diakonie für ein Leben in Vielfalt, Lemgo