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Durch die Kunst Leben in Vielfalt erschließen

Kunstwerkstatt Eben-Ezer feiert ihr neues Domizil im HAUS DER VIELFALT, Mittelstraße 6, Lemgo mit Eröffnungsmatinee

Die Kunstwerkstatt der Stiftung ist in ihr neues Domizil umgezogen und hat in der sanierten Fachwerkscheune, die zum HAUS DER VIELFALT gehört, ihren künstlerischen Betrieb aufgenommen. Bewohner der Stiftung Eben-Ezer und Menschen, die durch die Lebenshilfe Lemgo betreut werden, finden hier den Raum, die Begleitung und die Freiheit für den künstlerischen Ausdruck. Beschäftigung mit Kunst tut gut, dem Schaffenden und dem Betrachter - auch dem Zuhörer übrigens.

Seh- und Hörgenuss brachte die Eröffnungsmatinee am 9. Mai. Willi Kemper, der ehemalige Leiter des Kunsthauses LYDDA in Bethel, führte in einem Vortrag Vortrag aus, wie integrativ künstlerisches Arbeiten wirken kann und wie kurz der springt, dem es um das Finden des Unterschieds zwischen der Kunst behinderter und nicht behinderter Menschen geht.

Miriam Ludewig als ausgebildete Sängerin und Bewohnerin der Stiftung schmückte den Vormittag mit sechs Liebesliedern von Robert Schumann. Ihre klare, intensive Stimme bewegte die rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer tief. Am Klavier wurde sie begleitet von ihrem Gesangslehrer Michael Hoyer. Er führte aus, dass uns die Liebeslieder mit Texten von Adalbert von Chamisso heute vielleicht etwas altmodisch vorkommen mögen, sie aber zu ihrer Zeit insofern unerhört modern waren, als in ihnen die Frau als Liebende und sich in Beziehung setzende Person in Erscheinung tritt und nicht - wie sonst im 18. und 19. Jahrhundert üblicher - als dem Manne untertäniges und nützliches Objekt vorkommt.

Künstlerisches Arbeiten hilft, so könnte man allgemein sagen, dabei, sich davon zu befreien, ein Objekt zu sein. "Die Kunstarbeit schafft es, den gesamten Menschen zum Ausdruck zu bringen, ihn zu stärken, ihn selbstbewusst zu machen, ihm zu helfen, seinen Platz zu finden. Ich bin sicher, dass gerade diese Kunstarbeit eine große Wirkung hat. Das ist eine Therapie ohne Therapie, das sind Entwicklungsschritte ohne Druck und Zwang, das ist ein Wohlergehen ohne Medikamente", sagte Willi Kemper in seinem Vortrag und führte aus: "Die Angebote der Kunstwerkstatt bewirken die Entfaltung der Menschen mit den Mitteln der Kunst. Hier findet jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer, seine eigenen Spuren, seine ganz spezifischen Ausdrucksformen. Kunstarbeit ist keine Beschäftigungstherapie und darf auch nie eine solche werden. Das sind die ureigenen Bilder der Menschen. Alles, was sie bewegt, ihre Freuden und Sehnsüchte, ihre Hoffnungen und Ängste werden in den Arbeiten sichtbar."

Die künstlerische Arbeit gerade für behinderte Menschen ist in mehrfacher Hinsicht integrativ: In der künstlerischen Arbeit bündeln sich Eindrücke, sie verdichten sie auf dem Papier, in der Skulptur oder Collage. Das künstlerische Arbeiten bringt Kontakt mit anderen Künstlern, man lernt von einander, vergleicht auch und lässt sich beeindrucken. Die Kunst kommt zur Aufführung, als Liedervortrag bei Miriam Ludewig, bei den Malern in Form von Ausstellungen, als Kunstdrucke oder Karten. Es ergeben sich Kontakte und Gespräche, manchmal wird Kaufinteresse wach und dann der Erfolg und der Stolz, die den Erlös aus dem Verkauf eines Bildes begleiten. Man fühlt sich gut. Auch weil die Gemeinschaft in der Kunstwerkstatt eine besondere ist, etwas anderes als das Zuhause und die Arbeitswelt, es ist Bereicherung oder - wie wir es in der Stiftung Eben-Ezer sagen - Leben in Vielfalt.

"Das soll ein behinderter Mensch gemalt haben?" Solche Reaktionen sind nichts Ungewöhnliches. Davon wusste auch Willi Kemper zu berichten. In seinem Vortrag brach er eine Lanze dafür, dass jeder Mensch, ob behindert oder nicht, den Mut finden sollte, sich künstlerisch zu erproben. Er unterstrich für die fruchtbare Arbeit der Kunstwerkstatt die Notwendigkeit des Vertrauens und der Begleitung, die mit großer Sensibilität durch Heidi Menke, ausgebildete Kunsttherapeutin, und durch Ulla Wagner, die selbst als Künstlerin tätig ist und zudem eine Ausbildung als Heilpädagogin hat, geleistet wird. In der Kunstwerkstatt ist ein großer Fundus an sorgfältig archivierten Arbeiten vorhanden, die die Entwicklungswege der Künstlerinnen und Künstler anschaulich machen.
Wo?
Kunstwerkstatt im HAUS DER VIELFALT,
Mittelstraße 6,
Lemgo
Öffnungszeiten: montags bis freitags von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Telefon: 05261 4306
Interessierte sind herzlich willkommen.


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Stiftung Eben-Ezer, Diakonie für ein Leben in Vielfalt, Lemgo