Regenbogen, Arche Noah und Sonnenschein

70 Jahre Kindergartenarbeit in Pivitsheide

Detmold-Pivitsheide. „Früher nannten Sie uns „Tante“ und wir trugen weiße Schürzen“ erinnert sich Mechthild Römisch mit einem Schmunzeln. Die heute 70-jährige, Vorsitzende des Kirchenvorstands der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde, hat von 1967 bis 1974 selbst im Kindergarten Regenbogen in Pivitsheide gearbeitet und kann sich gut an die damaligen Zeiten erinnern.

Neben der Kinderbetreuung habe zum Beispiel auch noch Rasenmähen und Putzen mit zu den Aufgaben einer Kindergärtnerin gehört.

Was sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Arbeit alles geändert hat, das lässt sich in den drei evangelischen Kindertageseinrichtungen Regenbogen, Sonnenschein und Arche Noah im Detmolder Ortsteil Pivitsheide nachvollziehen: Die Kindergartenarbeit der Kirchengemeinde startete am 1. Dezember 1946 – ins Leben gerufen von Pfarrer August Wehmeier im Keller des Gemeindehauses der ehemaligen Kirche.

Der Platz im Gemeindehaus stieß bald an seine Grenzen: Zehn Jahre später wurde nebenan der erste eigene Kindergarten gebaut, die Kita Regenbogen. Wiederum 15 Jahre später kam die Kita Sonnenschein in Pivitsheide VH hinzu und 1983 dann die Kita Arche Noah – als Entlastung für den Regenbogen.

Ihre Namen haben die drei Kitas übrigens erst seit dem Ende der 90er Jahre – bis dahin meldeten sich die Erzieherinnen am Telefon ganz anders, wie sich Heike Woywod, Leiterin der Kita Arche Noah, sicher gemeinsam mit vielen Menschen im Ortsteil erinnert: „Wir hießen damals Pivitsheide VL alt,  VL neu und Pivitsheide VH und so meldeten wir uns auch am Telefon. Wir haben dann überlegt, wie wir die Kindergärten schöner nennen können, so dass man auch die Verbindung erkennt. Wir fanden Arche Noah, Regenbogen und Sonnenschein sehr passend.“  

Drei Kindergärten zu betreuen und zu verwalten – das überstieg schließlich die Kräfte der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und so gab sie die Trägerschaft ab – 2008 an das Diakonische Werk der Lippischen Landeskirche. 2011 übernahm dann die Stiftung Eben-Ezer in Lemgo die Trägerschaft. Insgesamt 18 evangelische Kitas und Familienzentren befinden sich derzeit unter dem Dach der Stiftung.

Die enge Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde ist erhalten geblieben und gestaltet sich gut, wie Katja Weber, ehemals Leiterin der Kita Regenbogen und heute Abteilungsleiterin der Kindertageseinrichtungen der Stiftung Eben-Ezer, findet: „Jetzt kann sich die Zusammenarbeit zwischen Kita und Kirchengemeinde auf die Religionspädagogik konzentrieren, ohne die Verwaltungsaufgaben und die Arbeitgeberfunktion. Das ist ein anderes Miteinander.“  Und Mechthild Römisch betont: „Der Kirchengemeinde Pivitsheide ist die Kindergartenarbeit nach wie vor sehr wichtig.“ Auch viele Kinder gebe es nach wie vor, Pivitsheide sei ein wachsender Stadtteil. Acht Gruppen haben die drei evangelischen  Kitas derzeit insgesamt, die Betreuung von U3 Kindern und Kindern mit erhöhtem Förderbedarf gehört dazu, berichtet Heike Woywod. Die Angebote richteten sich nach den Bildungsvereinbarungen, wie alltagsintegrierte Sprachförderung und Förderung der Grob- und Feinmotorik, und berücksichtigten die Bedarfe der einzelnen Kinder, zum Beispiel Bewegung oder Ruhephasen. Die Mitbestimmung und Mitgestaltung der Kinder spiele heute eine große Rolle. Dokumentation und Entwicklungsgespräche seien ebenso Standard wie die ständige Weiterentwicklung und der Aufbau eines Qualitätsmanagmentsystems.

Die Zeiten mit der „Tante“ und dem „Fräulein“ neigten sich übrigens noch in den Siebzigern dem Ende entgegen. Heike Woywod: „Heute entscheiden die Erzieherinnen und Erzieher selbst, ob sie mit Vor- oder Nachnamen von Kindern und Eltern angesprochen werden möchten.“

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